Björk Biografie - Teil 1
Björk Gudmundsdottir wurde am 21. November 1965 in Reykjavik, Island geboren, wo sie in einem Kommunen-Haushalt groß wurde (sie betont jedoch gerne, dass es keine Hippie Kommune war). Musik wurde 24 Stunden am Tag gespielt. "Ich erinnere mich, dass immer Leute am Plattenspieler waren. Die eine Platte war zuende und sofort wurde die nächste aufgelegt." Mit fünf Jahren wurde sie auf einer Musikschule angemeldet, wo sie zehn Jahre lang Flöte und Klavier spielte. Bereits mit elf Jahren hat Björk mit Hilfe ihrer Mutter und Freunden ihr erstes Album aufgenommen. Das Album hieß schlicht "Björk" und wurde in Island ein Hit. Björk wurde Islands junger Star, doch sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil nur ein Song des Albums von ihr stammte. "Ich fühlte mich schuldig und habe mir vorgenommen, dass ich nur noch für Dinge den Erfolg bekomme, die ich auch selbst gemacht habe."
Mit 13 Jahren hat sie ihre ersten Punkbands gegründet. Erst Exodus, dann Tappi Tikarrass und später K.U.K.L., eine Band, die zwei Alben für das Label der berüchtigten UK-Punkband Crass aufgenommen hat. "Als ich mich mit Punkmusik beschäftigt habe, gab es keine isländische Musik. Wir mussten sie erst ins Leben rufen. Niemand hat auf isländisch gesungen. Heute gibt es immerhin Bands wie Múm und Sigur Ros. Aber ich glaube, das liegt daran, dass es eben die nächste Generation ist." In der ersten Zeit spielten unterschiedliche Einflüsse und Menschen für die Entstehung der isländischen Musikszene unter der Leitung von Björk eine Rolle, wie z.B. Asmunder Jónsson, ein Radio DJ und Musikexperte, der die Bad Taste Organisation in Island ins Leben gerufen hat und Sjón, Dandy und experimentierfreudiger Musiker. Diskussionen mit Sjón, Einer Örn und Björk über den Surrealismus und Kunst führten zu etlichen intensiven, betrunkenen und inspirierenden Streitgesprächen. "Dadurch, dass ich das einzige Mädchen war, musste ich die Rolle des kleinen Punk spielen. Ich war in einer Punkband und hatte diese orangenen Haare und keine Augenbrauen. Ich habe die Intellektuellen damit konfrontiert, was ziemlich mutig von mir war, denn ich hatte noch nicht mal das richtige Vokabular. Für uns war es kein Kampf, aber es war eine grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen Instinkt und Verstand."
Björk Biografie - Teil 2
1987 haben Einer Örn, Siggi Bladurson und Björk zusammen mit Thór Eldon, Magga Örnólfsdóttir und Bragi Olafsson eine neue Band gegründet: The Sugarcubes. Schon mit ihrer ersten Single "Birthday" waren The Sugarcubes eine einzigartige Band, sie vereinten Post-Punkklänge mit experimentellen Sounds, ergreifenden Melodien und Björks ungewöhnlicher Art zu singen. Mit den Sugarcubes existierte Island zum ersten Mal auf der musikalischen Landkarte. Björks Persönlichkeit, ihr ausgefallener Kleidungsstil und ihre ganz eigener Gesangsstil kam in der damaligen gesichts- und farblosen Musikszene genau richtig und traf den Nerv der Zeit.
Im Jahr 1992, nach vier Alben waren The Sugarcubes dann bereit für einen neuen Schritt, sie lösten sich auf. Ihre letzte Veröffentlichung, ein Remix-Projekt, zeigte deutlich Björks Entwicklung in Richtung der britischen Dance/Elektroszene. Ihre jahrelange Zusammenarbeit mit Graham Massey begann, sie nahm mit 808 State auf und sang zwei Titel auf EX:EL, verfolgte jedoch ihre Liebe zu Jazzmusik und nahm zusammen mit dem Pianisten Gudmundar Ingólfsson’s Trio das Album "Gling-Gló" auf. Mit ihrem ersten Album "Debut" (1993) hat Björk eine fulminante Solokarriere eingeleitet. Ungewöhnliche und exzentrische Musik, mit der Björk zum schillerndsten Paradiesvogel der Londoner Szene avancierte.
Nachdem ihr ein psychotischer Fan erst eine Briefbombe zusandte (die glücklicherweise auf dem Postamt detonierte, ohne großen Schaden anzurichten), um dann in einem Video seinen Selbstmord zu dokumentieren, war erst einmal Rückzug angesagt.
Björk Biografie - Teil 3
Ende '97 schließlich hat Björk mit Homogenic ein ganz außergewöhnliches und sehr nachdenkliches Album vorgelegt. Im Vergleich zu den massiven Beats von "Post", z.B. zusammen mit der Big Band-Nummer "It’s Oh So Quiet", hört sich das Nachfolge-Album "Homogenic" von 1997 wesentlich experimenteller an, es ist insgesamt gewagter und ausgefallener in seiner Intensität und Struktur. Zwischen mal schmeichelnden, mal fremdartig klingenden Keybord- und Streicherflächen, grummelnden Basslinien und zögerlichen Grooves erzeugt Björk's fragile Stimme ein unverwechselbares Unterwasser-Ambiente. Ohne Zweifel eine der schönsten Platten des vergangenen Jahrzehnts. Zuletzt ist es um die kleine Isländerin etwas ruhiger geworden, mehr und mehr zieht sie sich aus der Öffentlichkeit zurück. Zumindest musikalisch. Vom Film erhofft sie sich mehr Anonymität und mehr Abstand zum Publikum. Björks Arbeit mit Lars von Trier gestaltet sich aber auch nicht immer einfach, die Presse munkelt von Nervenzusammenbrüchen und ständigem Streit.
In "Dancer in the Dark" spielt Björk eine junge Frau, die an einer Erbkrankheit erblindet und ihren Sohn vor dem gleichen Schicksal bewahren will. In ihrem Unglück begeht sie einen Mord und wird zum Tod durch Erhängen verurteilt. Sentimentales Thema. "Sie ist keine Schauspielerin, sie hat das alles immer wirklich gefühlt", sagt von Trier über Björk, die auch die Filmmusik komponierte. Beim Filmfestival in Cannes erntet der Film nicht nur Beifall. Die Reaktionen der Kritiker reichen von "Einfach schrecklich" bis hin zu "Große Kunst". Begeistert wird "Dancer in the Dark" dagegen vom Publikum in Cannes aufgenommen. Dem schließt sich dann auch die Jury an, zeichnet den Film mit der begehrten Goldenen Palme und Björk als beste Hauptdarstellerin aus. Die hat trotzdem vom Film die Nase voll und freut sich nun wieder auf richtige Musik.
Björk Vespertine
Björks neues Album "Vespertine" überrascht uns schon durch seine Begrifflichkeit: Vesper ist eine Terminologie aus der Botanik, Zoologie und Astronomie und bezeichnet im entferntesten Nachtaktivität des Kosmos. Und schon sind wir bei Björks lyrischer Mystik, die einmal mehr ein ambiges Dasein zwischen Realität und Tagtraum, zwischen Intimität und Abstraktion führt. Björk selbst spricht von einer Thematik des Rückzugs ins Private. Von Verletzungen, die Kompensation bedürfen.
Björk Medulla
Und damit nicht genug der Experimente - mit "Medulla" veröffentlicht Björk im Jahr 2004 erstmals ein A capella-Album. Zur Seite stehen ihr renommierte Vocal-Artisten wie Rahzel, die 'human beatbox' von The Roots, die Kopfstimmenspezialistin Tanya Tagaq oder der frühere Faith No More-Frontman Mike Patton.
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